1946 Geburtsstunde ÖBRD Ortsstelle Bludenz
 
Der erbarmungslose, grausame Krieg (1939 - 1945) geht zu Ende. In Vorarl­berg regiert die französische Besatzungsmacht. Von ihr wird jegliche  Vereinstätigkeit verboten, so auch die Rettungsstellen des österreichischen Alpenvereins.
 
Unter dieser Voraussetzung unternahmen im Frühsommer des Jahres 1946 drei junge Burschen aus Bürs eine Tour auf die Schesaplana. Ausgerüstet mit Nagelschuhen und einem ca. 20 Meter langen Heuseil marschierten sie von Bürs über den Lünersee auf die Schesaplana. Der Abstieg erfolgte noch am selben Tag über den Leiberweg. Dieser war wegen der frühen Jahreszeit noch stark mit Schnee bedeckt und teilweise vereist. Auch die Markierung war sehr schlecht. Ein Kamerad stürzte ins Seil, blieb aber zum Glück unver­letzt, sodaß er von den Kameraden geborgen werden konnte. Noch wäh­rend des weiteren Abstieges stellten sich diese drei die Frage, was wäre ge­schehen, wenn ein Kamerad ernsthaft verunglückt wäre? Wer hätte ihnen geholfen, an wen hätten sie sich wenden können?
 
Hugo Bürkle Peter Nußbaumer Norbert Sähly
 
Die drei Burschen waren Hugo Bürkle, Peter Nußbaumer und Norbert Sähly. Die Antwort auf diese Fragen konnten sie sich selbst geben. Da jede Vereins­tätigkeit verboten war, gab es offiziell niemanden, der den in Bergnot ge­ratenen Bergsteigern half. Auf Vorschlag von Hugo Bürkle beschlossen sie daher, eine Hilfsmannschaft zu gründen. So kann der Abstieg über den ver­eisten Leiberweg als die Geburtsstunde der Ortsstelle Bludenz bezeichnet werden.
 
Das Vorhaben, eine Bergrettung zu gründen, war keine leichte Aufgabe. Mit der Materie vertraute oder erfahrene Kameraden fehlten. Um eine einsatzfähi­ge Mannschaft zu haben, mußten mehrere interessierte Männer gefunden werden. Galt es doch, auch mitten in der Nacht oder bei schlechtem Wetter Bergsteigern zu Hilfe zu kommen. Eine große Hilfe war der damalige Alpenverein-Sekretär Zerlauth, der mit Rat und Tat zur Seite stand. Auch der aus Tirol stammende Josef Pietzer war bereit, in unseren Reihen mitzuwirken und seine Erfahrungen einzubringen. Die Sicherheitsdirektion von Vorarlberg hat, mit Bescheid vom 14. August 1947, die Gründung des Landesverbandes des Österr. Bergrettungsdienstes Vlbg. geneh­migt. Bereits am 10. Jänner 1948 fand in Feldkirch die konstituierende Hauptversammlung statt. Die Hilfsmann­schaft in Bludenz bestand zwar immer noch mehr oder weniger inoffiziell.