Hohe Anforderungen an die Rettungs­und Hilfsorganisationen stellte die Eisenbahnkatastrophe am 11.8.1995 in Braz. Dieses Großereignis hat von den beteiligten Rettern einiges an physischer und psychischer Leistung abverlangt.
 
Als der Expreßzug in den Abgrund raste...
 
Augenzeugenbericht eines Bergrettungsmannes zum Zugunglück in Braz:
 
Freitag abend - endlich - die Woche ist um, ich freue mich auf ein ruhiges Wochenende. Draußen geht ein Schlagwetter nieder. Im Trockenen fühle ich mich wohl und genieße das Abendessen, als um ca. 19.00 Uhr das Telefon schrillt: „ Schweres Zugunglück im Klostertal -sofort einrücken - dies ist keine Übung!!" Habe ich richtig gehört? Was für ein Unglück? Es bleibt mir keine Zeit zum Nachdenken. Rasch Bergschuhe, Einsatzrucksack, Regenbekleidung - und ab ins Rettungsheim. In der Leitstelle erfahre ich - ein Murenabgang hat den Schnellzug mit ca. 200 bis 250 Fahrgästen aus Richtung Wien mitgerissen.
 
Um ca. 19.20 Uhr treffen wir am Einsatzort ein. Die Straße ist ver­schlammt, das Einsatzfahrzeug bleibt buchstäblich im Dreck stecken. Beim Aussteigen schlägt uns ein schmutziger Bach knietief entgegen. Nach wenigen Schritten sind wir durchnäßt. Geröll, Baumstämme und riesige Steinquader wälzen krachend im Bachbett.
Ein Feuerwehrmann weist uns Richtung Bahnwärterhaus.
 
Ein Bild des Schreckens und Grauens. umgestürzte Waggons liegen wie Spielzeug im Bachbett. Wir kämpfen uns über Bäume und Gestein zu den Waggons durch. Plötzlich taucht im Halbdunkel der Rumpf der Lokomotive auf. Jemand ruft uns zu, daß wir hier leider nichts mehr tun können. Also wühlen wir uns über den glitschigen Bahndamm zu den Geleisen empor.
Die Verletzten können in der Dämmerung teilweise kaum von Geröll und von Wurzelwerk im Schlamm unterschieden werden. Doch wo zuerst helfen? Überall dringen Hilferufe und Schmerzensschreie zu uns. Wir beginnen mit der Bergung der Verletzten aus den Waggons. Gottseidank treffen immer mehr Helfer am Unglücksort ein. Nach der Erstversorgung durch den Notarzt werden die Verletzten zu einem Sammelplatz gebracht, von wo sie mit Hubschraubern geborgen werden.
  
Waren es 15 oder 20 Personen, die wir auf diese Art geborgen haben? Ich weiß es nicht.
Bis spät in die Nacht arbeiten die Helfer aller Rettungsorganisationen Hand in Hand. Es ist eine große Demonstration der gemeinsamen Hilfsbereitschaft. Der Einsatz wird um ca. 22.30 Uhr abgebrochen - im Inneren die Frage „ wurden alle Opfer gefunden und geborgen ? " In der Einsatzleitung werden jedoch noch weitere Gespräche geführt.
Selbst nach der warmen Dusche verfolgen mich im Schlaf trotz der lähmenden Müdigkeit die schockierenden Bilder, die
Schreie der Verletzten, die von den Strapazen gezeichneten Gesichter der Kameraden ....
 
Aufschaltung der Bergrettung auf die RFL
 
Als Meilenstein kann die Aufschaltung der Bergrettung mit 1.12.1995 in das System der neuen zentralen RFL (Rettungs-Feuerwehr-Leitstelle) bezeichnet werden.
Die Alarmierung der Bergrettung erfolgt nunmehr zentral mittels Piepser über diese landesweite Alarmierungszentrale im Katastrophenzentrum Feldkirch.